Heft xiv · Frühjahr 2026

Im Strom der Zeit Journal für Alltagsbeobachtung
⊛ Über das Journal

Im Strom der Zeit — Journal für Alltagsbeobachtung.

Im Strom der Zeit ist ein deutschsprachiges Quartals-Journal für Essays über das, was sich sonst übersehen lässt. Wir stehen in der Linie der deutschen Essaytradition — von Robert Walser und Walter Benjamin bis zu Marie Luise Kaschnitz, Botho Strauß, Esther Kinsky und Hanns Zischler — und übersetzen sie in die Gegenwart. Die Texte sind nicht lang, weil sie literarisch sein wollen; sie sind so lang, wie ihr Gegenstand sie macht. Manchmal sind das zehn Minuten Lektüre, manchmal eine halbe Stunde, selten mehr.

Das Heft erscheint vier Mal im Jahr. Die ersten Beiträge dieser Publikation gehen auf einen Blog zurück, der zwischen 2007 und 2019 unter diesem Domainnamen einzelne Alltagsbeobachtungen sammelte. Mit Heft i (Frühjahr 2023) hat sich die Form geändert: aus dem Blog wurde ein redaktionell betreutes Heft. Wir veröffentlichen sechs bis zehn Beiträge pro Ausgabe, gegliedert in sechs ständige Ressorts. Das aktuelle Heft xiv (Frühjahr 2026) setzt das fort, was bisher gut funktioniert hat — und experimentiert hier und da, ohne die Grundhaltung zu verändern.

Sechs Ressorts

Die sechs Felder, in denen wir kontinuierlich publizieren, lassen sich knapp benennen: Beobachtung für die Kurzessays über einzelne Phänomene, Saisonkalender für die monatlichen Notizen, Werkstatt für die Texte über Handarbeit und Langsamkeit, Stadt & Land für das Topographische, Erinnerung für die Schritte in die Vergangenheit, Lektüre für die Re-Reads und Werkbetrachtungen. Nicht jedes Heft bedient alle sechs Felder gleichmäßig — manchmal verdichten sich drei Texte um eine einzige Beobachtung, manchmal hängt eine ganze Ausgabe an einer Werkbetrachtung. Die Gliederung ist Hilfe, nicht Pflicht.

Was uns inhaltlich interessiert, ist die Spannung zwischen dem Nahen und dem Lesbaren. Eine Bushaltestelle am Sonntagmorgen ist ein Phänomen, das sich beschreiben lässt; eine Supermarkt-Beleuchtung ist ein Phänomen, das sich beschreiben lässt; das verwitterte Holzpfosten am Gartenzaun gegenüber ist ein Phänomen, das sich beschreiben lässt — und der Versuch der Beschreibung verändert das Verhältnis zum Gegenstand. Wir verstehen Schreiben hier als Form der Aufmerksamkeit, nicht als Form der Mitteilung. Die Mitteilung ist nur das Nebenprodukt.

Stille Autorität

Die typographische Wahl — Cormorant Garamond als feine kursive Display-Serife, Karla im Body, eine sandfarbene Palette, ein Korallen-Akzent, mittig zentrierte Überschriften — ist nicht dekorativ. Sie ist Teil der Lesehaltung, zu der dieses Heft einlädt: langsam, geduldig, nicht im Browser-Tab nebenbei. Wer hier liest, sollte eine Tasse Tee dabei haben.

Gastbeiträge

Das Heft nimmt Gastbeiträge an. Wer einen Essay geschrieben hat — Beobachtung, Saison-Notiz, Werkstatt- Skizze, Re-Lektüre — sendet eine Schreibprobe an [email protected]. Wir antworten gewöhnlich innerhalb einer Woche. Wer einen langen Satz tragen kann, ist hier richtig — und wer sich traut, einen kurzen Satz zu schreiben, ebenso.

Wir schreiben nicht das Spektakuläre, sondern das Naheliegende — mit der Geduld, ihm seine Eigentümlichkeit zu lassen.